Eine islamische Hochzeit PDF Drucken E-Mail

Wer sorgfältig in diesem Tagebuch gelesen hat, weiß, dass Mwaka, unser Hausmädchen, eine Liaison mit einem Taxifahrer an der Ecke eingegangen ist (ein wenig flirten, dann ein gemeinsamer Aids-Test, der nächste Schritt ist: Wir heiraten!!!).

ImageDas Ganze hat dann ca. 2 Monate anstrengendster Vorbereitungen gekostet. Mwaka fing an, mit Buibui (Kopftuch) rumzulaufen, ihr Mann meinte, sie solle nicht wie ein Mädchen rumlaufen. Wir haben ihr bei der Finanzierung der Hochzeit geholfen mit Vorschuß aufs Gehalt und einem Beitrag von unserer Seite. Und irgendwann war sie dann plötzlich über und über mit Henna-Mustern bemalt. Und dann die Woche vor der Hochzeit vor lauter Vorbereitungen gar nicht mehr da (Hilfe! Ein dezenter Vorgeschmack auf Deutschland! Eine ganze Woche ohne tägliche Haushaltshilfe, wie sollen wir das überleben!)… und dann war der große Tag. Wir natürlich als Ehrengäste dabei. Unsere erste islamische Hochzeit. Wir treffen (alter Fehler!) pünktlich in der Grundschule in der Innenstadt ein, extra schick gemacht, ein festlich hergerichteter Saal, vorne auf einer Empore in der Mitte zwei leere Stühle, außenrum Türme von Geschenken, kitschigste Teetischchen, Küchengeräte, eine Mikrowelle, ein Kühlschrank (später werden wir feststellen, dass das der Kühlschrank ist, den wir vor einem halben Jahr Mwaka zu völlig anderem Anlaß geschenkt haben, aber es muss eben nach viel aussehen!) und allerleit Hausrat, ein alptraumartig kitschiges Tee-Service, …

ImageVor der Bühne sitzen auf einem Teppich eine Horde in blaue Tücher gehüllte Frauen auf dem Boden und tuscheln, dahinter die obligatorischen Plastikstühle. Der Saal füllt sich. Wir werden von einer Schwester von Mwaka begrüßt und sie erklärt uns auch ein wenig. Nach einer Stunde geht es los. Die blauen Tücher sind eingekaufte (oder gemietete) Betschwestern, die Gesänge beginnen, die ziemlich jammerig klingen, dazwischen mit Trommeln ziemlich laut und rhythmisch. Es werden dazwischen ein paar Worte verlesen und dann jaulen die Betschwestern. Zwischendrin steht immer wieder eine der vorwiegend weiblichen Zuschauerinnen auf und tanzt nach vorne, wobei sie mit einem Geldschein wedelt, den sie dann einer der blauen Tücher zusteckt oder auf einen Teller, der bereit steht, legt. (besonders amüsant sind diejenigen, die mit den roten Zehntausendern wedeln, dann aber in aller Gemächlichkeit sich vom Teller mehr als reichlich Wechselgeld nehmen!     ).  Das geht lange so. Dann kommt die Braut. Mwaka sieht wunderschön aus. Später dann der Bräutigam. Die beiden nehmen auf der Empore Platz. Eine kurze Zeremonie und sie sind Mann und Frau.

ImageDann gibt’s Essen. Alle strömen nach draußen, holen sich ihre Soda und eine Portion Pilau. Besteck gibt es nicht, so dass alle mit klebrigen Fingern da sitzen und schmatzen.

ImageNach dem Essen gibt’s noch eine kurze Verschnaufpause, dann geht ohrenbetäubende Musik los. Dann werden alle Männer (von denen per se nur wenige gekommen sind) rausgeworfen. Jetzt kommt der private Part. Und da sind dann nur noch Frauen zugelassen.

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Ich verlasse erleichtert den Schauplatz. Natalie berichtet mir später, dass neben lauter Musik und einem MC (der mit dem Mikro, der die ganze Zeit schlaue Sprüche macht und durch den Abend führt und die Musik an und aus befiehlt!), der auch eine Frau war, eine ausführliche Geschenkübergabe stattfand. (Natalie fand sich irgendwann oben auf der Bühne, von allen Seiten bejubelt, neben dem Kühlschrank stehen. Der Knaller waren aber die von Moni aus Deutschland geschickten Hochzeitsmandeln, als Natalie erklärte, dass diese die Fruchtbarkeit anregen sollen… die Mädels waren begeistert!). Laute Musik und Tanz, ansonsten aber eine „ganz normale“ tansanische Veranstaltung. Tja, und dann war Mwaka verheiratet. Ihren BuiBui hat sie inzwischen schon wieder sehr unregelmäßig an. „der ist gerade in der Wäsche!“. Und einen zweiten hat sie sich noch nicht angeschafft.

 
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Was ist passiert?

dem Ende entgegen
die Zeit vergeht immer schneller und es muss immer mehr reinpassen. Irgendwie fällt die Berichterstattung immer weiter hinter der Realität zurück und alles wird voller. Trotzdem...
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