Wir machen eine Abschiedsparty PDF Drucken E-Mail

So einfach das Land verlassen ohne eine kleine Party, das geht nicht! Mein Reden. Natalie: Ich brauche keine Party! Das ist wieder nur Streß. Und dann haben wir Termine gewälzt und eigentlich keine Zeit gefunden, die passt, da wir ja auch noch reisen wollten, so dass ganz spontan letzten Sonntag abend mir aufgefallen ist: Hey, die einzige Möglichkeit ist eigentlich Freitag Abend, also in 6 Tagen! Hmmm, naaa gut! Okay. Montag morgens im Büro hab ich ne Einladung auf Swahili formuliert, die Anfahrtsbeschreibung auf die Rückseit, ausgedruckt.

Einen Stapel Janeth gegeben. Für die Wächter und Leute aus dem Büro. Dann eine Rundmail an alle Arbeitskollegen und DED’ler, die gleichzeitig eine Abschiedsmail war. Abends im Judo auch Zettel verteilt und alle, die ich so nicht erreichte per SMS eingeladen. Tja, und das war’s. Dann eine Liste gemacht mit Schätzungen. Hmmm… so ca. 60 Leute wohl! Wenn alle kommen! Hilfe! Aber irgendwie haben wir uns nicht viel Streß draus machen wollen. Am Donnerstag war ich bei den Flying Chefs und habe eine große Zucker-Creme-Biskuit-Torte bestellt. Das ist ein MUSS! Und dort dann auch gefragt wegen Catering. Die haben mich an eine Mama verwiesen, die vorne im Haus ein Café betrieben hat. Und mit der habe ich dann wild zu diskutieren begonnen.

Sambusas. 300. Und wenn ich 100 Stück nehme? Und wenn ich 200 Stück nehme… und Kachori? Und Chapati… habe eine gigantische Bestellung plaziert und sie versprochen, dass am nächsten Tag alles fertig ist. Dann noch drei Kästen Bier und drei Soda gekauft. Mehr passt nicht in den Kühlschrank. Der erst mal voll beladen. Am Freitag dann ganz normal arbeiten. Der letzte Tag. Ein dummes abschließendes Gender-Desk-Meeting. Dann gibt’s zwei Flaschen (ganz passablen) Sekt und ein paar warme Worte vom Chef für Natalie und mich. Eine kitschige Karte voller Rosen und klebriger Worte und zwei schwarze Massai-Krieger-Ebenholz-Figuren (bei denen sich Natalie und ich ohne ein Wort auszutauschen einig sind, dass wir sie hier in Tansania lassen werden!). Dann endlich Feierabend. Ich fahre die Torte abholen. Und die Säcke an Leckereien. Die Chapatis sind noch nicht fertig, so dass ich mich hinsetze und warte. Die sollten doch frisch sein. Ich plaudere ein wenig mit einer jungen Massai und bezahle am Ende den stolzen Preis (60 Personen sättigen für umgerechnet 70 Euro, nicht schlecht!). Dann wird alles nach Hause gefahren.


ImageDort dröhnt schon laute Musik, Natalie hat Gummibärchen und Knabbersachen gekauft. Es sieht schon sehr nach Party aus. Wir sitzen und ruhen uns ein wenig aus. Georgie hat inzwischen mit Hilfe eines Kollegen den kompletten Garten neu bepflanzt. Die Hühner sind jetzt ja weg, das Grün bekommt eine neue Chance. Dann noch kurz duschen und mehr als überpünktlich kommt Meister Lazaro mit Frau und Tochter (die ihr relativ neugeborenes Kind mit dicker Pudelmütze dabei hat, das friedlich schläft). Karibu sana! Wir setzen sie erst mal auf die Couch. Alle wollen sie ein Bier trinken. Dann kleckern so langsam die Gäste rein. Isaak (den ich von meiner ersten Mikumi-Reise mit Rafael kenne) kommt mit einem Freund, dann Simon (meine erste Daladala-Bekanntschaft), Ziada hat sich feingemacht, Musa, mein erster Sprachlehrer, von dem ich fast 1 ½ Jahre nichts gehört habe, ist da und super happy,a ls ich ihm ein paar kleine Prinzen, in denen sich im Vorwort sogar sein Name findet, in die Hand drücke.

ImageDann taucht eine junge Frau mit 4 Kindern auf, die ich nicht kenne. Wir begrüßen sie. Ich gucke Natalie an, sie mich: Kennst Du die? -  Nee, Du? - Hast Du die eingeladen? -  Nee, Du? Es klärt sich, dass sie eine Verwandte von Lazaro, dem Alten ist. Aha! Irgendwann tauchen dann die Leute aus dem Büro auf, Salum, Janeth, Remmy, … es wird jetzt plötzlich sehr voll. Martin hat seine dicke Tante Beatrix im Gepäck und noch irgendwelche Kinder! Herein spaziert! Dann wieder ein völlig unbekanntes Gesicht! Ein Shemeji von Lazaro Mzee. Aha! Haben wir auch nicht eingeladen, aber was solls! Ich beschließe, schneller zu trinken und die Vorräte im Kühlschrank neigen sich gewaltig.

ImageEiner Eingebung Natalies folgend eröffne ich das Buffet! Alle stürmen. Dann tauchen weitere drei Verwandte von Lazaro auf, die wir das erste Mal sehen, so dass wir jetzt schon bei einer Summe von 12 Gästen aus seiner Familie sind, die nicht eingeladen waren. Frech wie Oskar! Ist ne richtig nette Party, laute Musik, alle trinken viel, am Anfang servieren wir noch brav Soda. Die Tansanier haben sich dran gewöhnt, dass nicht genug Stühle für alle da sind. (George am Anfang: Was? Ihr habt keine Stühle gemietet? Aber die Leute müssen doch alle sitzen? Ich hab nur gemeint, hmmm, das ist schon gerecht, wenn einer auf’s Klo muss, kann ein anderer ihm den Stuhl wegschnappen!). Es mischen sich weiß und schwarz. Sogar der Chef mit Frau ist da. Offensichtlich ist jeder gut angetrunken. Der Pegel der Getränke im Kühlschrank fällt schnell, so dass ich George losschicke, mal eben noch mal nen Kasten Soda und nen Kasten Bier zu holen (die Bude um die Ecke wurde vorgewarnt… gibt alles reichlich!). Alle essen, plaudern, reden. Bevölkern Garten, Küche, Straße, Veranda, Wohnzimmer.

ImageDas Leid des Gastgebers, man tillt immer zwischen den Gästen hin und her, jeder will von einem was, ständig unter Strom. Natalie geht’s genauso. Ist aber nett. Später tauschen noch ca. 20 Judoka auf. Neue Mischung. Die ersten gehen wieder. Das Bier neigt sich und wird noch mal nachgefüllt. Tansanier sind nicht sehr Partyfest. Nach dem Essen geht man normalerweise wieder. Sehr praktisch. Die ersten verabschieden sich. Die Transportproblematik in Dar es Salaam bei Nacht. Dafür kommt noch ein Schwung von 6 oder 7 Franzosen. Es wird etwas getanzt. Einer von Lazaros Angehörigen, ein Idi, kotzt das ganze Wohnzimmer voll. Die Mitbringsel-Alkoholika werden auch zügig vernichtet. Sehr praktisch!

ImageIdi liegt auf der Straße, ohne Schuhe, und heult den Mond an. Es leer sich mehr und mehr und geht auf 3 Uhr zu, als nur noch wenige da sind. Georgie (Natalie hat 5 Anrufe in Abwesenheit auf ihrem Handy von seiner besorgten Frau), Abdu, der Wächter von nebenan, der auch geholfen hat, Ziada, die hier übernachtet, Natalie und ich und zwei von Lazaros jugendlichen Angehörigen, der eine spielt verliebt mit meinem iPod, der an der Musikanlage hängt. Ob wir den mitnehmen, wenn wir nach Europa gehen? – Da kannst Du einen drauf lassen!  - irgendwann schmeißt Natalie die beiden, die von selbst nicht auf die Idee kommen, zu gehen, ziemlich direkt und drastisch einfach raus. Sie nehmen Idi, der immer noch draußen liegt, seine Schuhe mit. Dann gehen wir alle Schlafen. George und Abdu werden ins nächste Gästezimmer verfrachtet.

ImageDie Wohnung sieht aus wie scheiße! Aber wir ziehen ja eh aus. Als wir am nächsten Tag spät und mit dickem Kopf aufwachen, hat George schon einiges geputzt und gespült und ist dann nach Hause gefahren. Wir verdödeln den Vormittag mit dickem Kopf, gönnen uns dann eine ganzstündige Massage und müssen uns danach schon wieder fertig machen für Vijyas Hochzeit, zu der wir nun wirklich ziemlich lustlos gehen...

 
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dem Ende entgegen
die Zeit vergeht immer schneller und es muss immer mehr reinpassen. Irgendwie fällt die Berichterstattung immer weiter hinter der Realität zurück und alles wird voller. Trotzdem...
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