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Montag abend, ich sitze auf der roten Couch, die bis eben noch uns gehört hat. Vorhin war Frau Mose, unsere Vermieterin da und wir haben uns bei einem Glas Wasser und viel Smalltalk innerhalb von kürzester Zeit auf alles geeinigt. Unsere roten Sofas, das Moskitonetz über dem Bett und der Kühlschrank, den ich bei Schrott-Peter in Tanga gekauft hatte, sind mal eben mit den ausstehenden Miet-Zuzahlungen der letzten 6 Monate aufgerechnet worden. Wir dürfen erst mal hier wohnen bleiben, da sie noch keinen Nachmieter gefunden hat, die Katzen können also bis zu ihrem letzten Tag um’s Haus streunen. Alles bestens. Es ist mehr als recht, dass wir allen möglichen Kram einfach im Haus lassen.

Gestern haben wir unsere zwei blauen Überseetonnen gepackt und die alte Überseekiste von Opa Hans, alle brechend voll. Gaaanz alles geht nicht rein. Aber das passt schon irgendwie… heute dann alles mit dem Dienst-Pickup ins Büro gefahren. Vorher noch schön einen Cappuchino mit Croissants und ein längerer Exkurs bei einem Hardwareshop, um Schlösser zu finden, mit denen man die Tonnen verschließen kann. Wir basteln an den Stahlverschlüssen und verbiegen dem Ladenbesitzer zwei Feilen, aber am Ende können wir die Tonnen doch abschließen. Die werden erst mal im Büro in den Container gestellt. Mr. Mrema, der Abwickler von Clearing und Forwarding dann mit der nächsten Hiobsbotschaft: die Holzfiguren (eine Giraffe, ein paar Affen und ein Rhinozeros) brauchen eine Exportgenehmigung. Oder 10.000 pro Stück zum Schmieren der Beamten. Wir entscheiden uns für den Behördenweg. Also erst mal (gefälschte) Quittungen besorgen, beim Ministerium X und Behörde Y… aber dazu haben wir Zeit, wenn wir von der ersten Reise zurück sind. Joy, die neue Verwaltungs-Hilfe, ist ein Goldstück und bereitet alles vor und hilft uns!

Abrechnen der letzten Wächter-Rechnungen, Privatfahrten mit dem Dienstwagen, Telefongespräche, etc… eine Vergleichsmitteilung des DED und das letzte Putzen des von privaten Spuren auf dem Dienstcomputer. Ein paar E-mails lesen. Und dann geht’s weiter. Während Natalie zur IST-Klinik fährt und unseren Deposit von 300 US$ auflöst und einsammelt, fahre ich in die Stadt, gebe den Bericht der Projektevaluation bei einem freundlichen Ministerialdirektor ab, spaziere durch die Stadt, lasse mir in meine beiden Armbanduhren noch Batterien einbauen (es wird – mal wieder – Zeit, zu gehen. Der Kerl war nett, ach, setz Dich doch, komm zeig mal. Ich: Hey, sag mir erst, was das kostet! – Er, kommt drauf an! – ich geb ihm die Uhren und er bastelt, neue Batterie rein, Uhr liebevoll gestellt, inclusive Datum, dann die zweite genauso. Als er fertig ist, schaut er mich an: 8000 pro Batterie. Ich hab ihn derart angeschissen, er hätte genau 10 Sekunden, seine bescheuerten Batterien wieder aus den Uhren zu entfernen und ich ließe mich nicht bescheißen und er soll mir den richtigen Preis nennen, so dass er ganz kleinlaut erst „6000“ murmelte, dann als ich immer lauter und unfreundlicher wurde, irgendwann zugegeben hat, dass er die Batterie für 3.500 kauft. Ich sage: 8.000 ist letzter Preis für beide. Er will 10. Ich sag nur: Mach sie raus! Sofort! (Uhrbatterieverkäufer gibt’s hier alle 2 Meter) – woraufhin er zerknirscht das Geld nimmt und sich – jetzt wieder freundlich, also hat er doch was verdient dran! – verabschiedet.).  Dann noch ein (vielleicht letztes) Ma(h)l im Epid’Or ein Sandwich und ein VitaMine-Saft. Danach im überfüllten Daladala wieder nach Hause.

Dort dann Kaffee und Teilchen mit George, dem wir seine End-Abrechnung vorrechnen. Gehalt, abzüglich Vorschüsse, plus Abfindungsbetrag, einen Teil jetzt den Rest in zwei Wochen (weil er ein Schlawiner ist…). Dann das Hauptanliegen. Er soll aus dem Verdienst seines Ladens, dessen Aufbau wir ja schließlich finanziert haben, für die nächste Zeit den kleinen Lazaro unterstützen. 3.000 pro Woche. Ist nicht viel, aber für den Kleinen reichts. Er stimmt zu. Das ist seine „Rückerstattung“ für unsere Großzügigkeit. Kein Zucken einer Miene, aber irgendwie spüre ich, dass er (natürlich) nicht ganz happy damit ist. Na, mal sehen, ob das klappt! Er bekommt noch den defekten Langhaarschneider (den kriegt schon einer wieder repariert), erwähnt noch eben, er könne ja auch das Bügeleisen gebrauchen, wozu wir uns nicht äußern, außer „wir gucken mal!“ – dann, kurz danach kommt der kleine Lazaro, Natalie wird vom „shemeji“ Father abgeholt und bringt Jana zu Frau Mose (die hätte den Hund eigentlich auch gleich mitnehmen können, aber hatte Angst, dass der da im Auto nur Zirkus veranstaltet, nicht ganz unbegründet!) und ich habe die nächste Abwicklungsdiskussion mit dem kleinen Lazaro.

Er hat eine ganze Menge Geld zusammengespart und bekommt 60.000 Schillinge. Die will er für seine Reise nach Sumbawanga verwenden. Ob wir ihm die erst im September geben können. Dann sind wir aber nicht mehr da. Und wenn ich ihm das Geld jetzt gebe? Nee, das wäre schlecht! Es gibt ja immer so viele Probleme, für die man Geld braucht. Dann wäre das weg. Ich verspreche, das Geld noch bis kurz vor unserer Abreise aufzuheben, worüber er sehr dankbar ist. Im Geiste haue ich mir an den Kopf! Er kriegt auch eine große Tüte mit Geschenken. Unter anderem ein altes Siemens-Handy, bei dem der Akku hinüber ist (er sagt, kein Problem, er kauft einen neuen!) und die Tastatur von Kakerlaken angefressen ist (Sachen gibt’s!). Er ist glücklich und ich halte ihm noch eine Moralpredigt über die hohen Kosten des Mobilfunks, und dass er sein Geld nicht für Airtime verschwenden soll… dann verabschiedet er sich und ich genieße ein wenig die Ruhe. Gleich wird der Dritte im Bund noch kommen, Lazaro, der alte, sicher die härteste Nuss…

 
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Was ist passiert?

dem Ende entgegen
die Zeit vergeht immer schneller und es muss immer mehr reinpassen. Irgendwie fällt die Berichterstattung immer weiter hinter der Realität zurück und alles wird voller. Trotzdem...
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