Abschiede PDF Drucken E-Mail

Die Zeit rennt. Es passiert unheimlich viel. Nachdem wir letzte Woche das Auto verkauft haben und sich die Russen-Mafia nicht mehr gemeldet hat (wahrscheinlich stehen sie irgendwo in der Serengeti und haben keinen Empfang), ist eine meiner größten Sorgen weg.

Eben die letzten „Abschieds-Emails“ an Kollegen und Projektpartner rausgeschickt und den Computer und das Büro ausgemistet. Übergabe, Projekte beendet, Belege zusammengekratzt.

Dann ein netter (allerdings ziemlich aufwühlender Besuch) bei den Immigrations-Behörden. Menschenauflauf und ein Beamter, der mir erzählt, dass ich nach Ablauf meines Arbeitsvisums aus Tansania ausreisen muss, um eine weitere Touristengenehmigung zu erhalten. Wie soll ich das denn machen? Wer zahlt mir das? Tja, dann wäre das eben nicht möglich! (im Geiste rechne ich mir schon einen Abstecher nach Kenya am 31.7. und eine Wiedereinreise am 1.8. vor, die aber teuer ist. Zweimal ein Visum für Kenya und am nächsten Morgen für Tansania). Chikando, unser schlauer Berater für alles weiß auch keinen Rat, ich solle einen Brief an den Direktor der Immigrations schreiben, was aber wahrscheinlich auch nichts bringt.


Dann zum Glück mit Rose zu Mittag gegessen, die mir Geschichten vom Zoll erzählt, der seit 8 Wochen ihre Lieferung festhält und von ihr horrende Zahlungen verlangt, ohne sinnvolle Begründung! Vieles an diesem Land ist echt lästig.... sie hat einen Kollegen angerufen, der sich mit Einwanderungs-Kram auskennt und der hat noch zweimal telefoniert und mir bestätigt, dass wir eine sogenannte „Grace Period“ von 4 Wochen haben, die wir unsere Erlaubnis überziehen dürfen. Das wäre so üblich. Toll, dass einem keiner das sagt, die hätten uns knallhart aus- und wieder einreisen lassen und kassiert, die A....! Hab jetzt unseren Experten Chikando noch mal drauf angesetzt, ohne ihm von dem Gespräch zu erzählen. Mal sehen, ob er was über diese GracePeriod in Erfahrung bringt... wenn nicht werd ich ihn noch mal gehörig anpflaumen! (tschuldigung, aber ich merke an meiner steigenden Gereiztheit in solchen Dingen, dass es Zeit wird, wieder nach Deutschland zu kommen. Wobei da Behörden auch nicht unbedingt professioneller sind!)


Die letzten 3 Tage hab ich dann noch jeden Morgen Shabani zwei Stunden im Büro ertragen und habe ihm die Grundlagen der Benutzung eines CMS-Systems beigebracht. Wie man Artikel schreibt, wo man klicken muss, dass diese veröffentlicht werden, wie man Bilder einbettet (das ist gar nicht so einfach... wenn er hier ein Bild hat, muss er das erst irgendwo einscannen, dann auf die richtige Größe klein rechnen, dann in den Websiten-Speicher hochladen und dann im Artikel verwenden... ob er das auch nach mehrmaligem Üben so ganz drauf hat, weiss ich immer noch nicht.)

Alle Signale stehen auf Abschied. Gestern war ich mit Emmanuel im Kinder-Judo, er will da in Zukunft weiter unterrichten. Die Kids sind happy, aber mit seinen Kiswahili-Kenntnissen ist es nicht weit her, die Saubande wird ihm ganz schön auf den Nerven rumtanzen. Aber er hat als Einstieg sieben alte Judo-Anzüge mitgebracht. Alle sind Happy. (Gleichzeitig schimmeln in Deutschland inzwischen gigantische Mengen an Judo-Zubehör, Matten, Anzüge und so weiter, die alle gesammelt wurden für Tansania. Das wird noch ein hartes Stück Arbeit die irgendwie hier her zu bekommen. Ein Container kostet über den Daumen 2.000 Euro und der deutsche Judo-Verband hat immerhin ganze 35 Euro eingesammelt!)

 


Matini war gestern drei Stunden im Büro und hat 8 Emails geschrieben. Aber bei jeder einen anderen Buchstabendreher in die Adressaten-Adresse eingebaut, so dass alle postwendend wieder zurück kamen. Ich bin schier geplatzt vor Genervtheit, aber er hat stoisch die Mail einfach noch mal getippt. Was dann dabei rauskam war am Ende nach 4 Mails alleine an mich: „lieber Philipp! Wir sind alle traurig, dass ihr geht! Aber wenn ihr eure Stereoanlage nicht mitnehmt, würde ich die gerne haben! Ich würde sie sogar kaufen, aber nur zu einem ganz niedrigen Preis, weil ich ja nicht viel habe! Bitte gib mir Bescheid! Viele Grüße, Dein Martin!“ – träum weiter!

 

ImageJaneth haben wir zu Hause besucht und ihre Tochter Ainekisha Joyce bewundert. So ein süßes Baby!!! war ein netter Abend, an dem uns Unmengen an Martini eingeflößt wurden und ansonsten das Hauptgesprächsthema "BABIES" waren. Aber sehr nett, trotzdem! 

Dann habe ich mich mit viel Mühe gegen Natalies Bequemlichkeit durchgesetzt: Wir machen eine Abschiedsparty! Und zwar morgen, Freitag. Eben bin ich beim „Flying Chef“ gewesen und habe einen riesigen, mit klebrigem Zuckerguss bedeckten Biskuit-Kuchen bestellt, auf dem in den Landesfarben „Bye bye Tanzania!“ steht. Und mit einer Mama um die Ecke wild verhandelt. Was kostet ein Sambusa (Teigtasche mit Hackfleisch!) – und wenn ich 200 nehme? So ging das hin und her und sie hat andauernd gestöhnt, dass sie ihren Laden dicht machen muss, was ich ihr natürlich nicht zumuten und zu einem anderen Laden gehen wollte, worauf es dann doch ging. Nachher wird noch Bier und Soda gekauft und wir haben die ganze Woche schon kleine Einladungszettel auf Kiswahili (im Stil der Hochzeitseinladungen) verteilt, ... nach vorsichtiger Hochrechnung werden’s um die 60-70 Leute... wenn das mal gut geht!

ImageAbschied haben wir diese Woche auch von den Hühnern genommen, die jetzt teilweise bei Lazaro, Georgie und bei Mwaka ihr weiteres Dasein fristen dürfen. George darf die nächsten 4 Tage komplett neuen Rasen pflanzen und Lazaro hat gestern nacht in mühseliger Kleinarbeit den Hühnerkäfig in seine Bestandteile zerlegt, jeden Nagel liebevoll wieder gerade geklopft und alles reisefertig gemacht. Heute morgen sind wir dann bis übers Dach beladen nach Mbagala gefahren. Im Schritt-Tempo über die holperigen Sandpisten, dort kurz alles abgeladen und dann direkt in den morgendlichen Stau zur Arbeit. Ich sitze jetzt noch im Büro und mache diverse Sachen fertig, während Natalie Taschen für die Katzen auf dem Markt kauft (unser Schneider näht uns da noch Sicht-und Atemluft-Fenster rein. Für seine Arbeit und ein wenig Bares kann er noch zusätzlich unser Fahrrad erwerben)... die gute Nachricht vom Tage war, dass die Titter (nicht Titten!) der Katzen (Konzentration der Tollwut-Antikörper) ausreichen und sie deshalb mit nach Deutschland dürfen! (von englischem Institut bestätigt, die spinnen, die Europäer!)

Außerdem hat Natalie schon den gesamten Haushalt auf den Kopf gestellt, ausgemistet, aussortiert und verteilt und verschenkt. Irgendwie weiß man nicht so recht, ob die Vorfreude immer mehr steigt oder das Herz langsam schwermütig wird.

ImageEin dummes Zwischenspiel gestern, als ich nach dem Judo nach Hause fahren wollte, die gesamte Pritsche voller Leute, die alle ein „lifti“ wollten zurückgesetzt habe und einem dicken Inder in seinen nagelneuen Toyota Corolla in die linke Tür gefahren bin. Ganz schöne Delle, am Dienstwagen, wie üblich, nicht die kleinste Schramme! Zahlt keine Versicherung, also diskutieren wir wild und ich Glückpilz habe natürlich ein Auto mit Metallic-Lackierung erwischt. Nerven!!! – haben das Thema heute nach Nachfrage bei 2-3 Werkstätten einfach beilegen können. Habe ihm umgerechnet 150 Euro in die Hand gedrückt und er repariert das. Ach, ... das Geld rinnt gerade mal wieder nur so durch die Finger...

Am Montag ist Hausübergabe... und danach gehts auf Reisen!

 
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Was ist passiert?

dem Ende entgegen
die Zeit vergeht immer schneller und es muss immer mehr reinpassen. Irgendwie fällt die Berichterstattung immer weiter hinter der Realität zurück und alles wird voller. Trotzdem...
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